Woody Guthrie (14.07.1912 - 03.10.1967)
Noch heute ist Woodrow Wilson Guthrie die große Ikone der amerikanischen Folkmusic.
Als junger Mann verließ er seine, von Trockenheit und Sandstürmen geplagte Heimat Oklahoma. Damit war auch er unter den zahllosen Einwohnern des Bundesstaates, die durch die herrschende Armut und die widrigen Lebensumstände der sprichwörtlichen "Dustbowl" vertrieben wurden.
Guthrie zog als Hobo - als obdachloser Gelegenheitsarbeiter, Schildermaler und Sänger - durch die USA und hielt sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. In seinen Lieder lieferte dabei er den Soundtrack zu den, von der Wirtschaftskrise gezeichneten, 30er Jahren - ähnlich wie sie der Schriftsteller John Steinbeck (Früchte des Zorns (The Grapes Of Wrath), 1939) in seinen Romanen beschrieb.
Kalifornien erschien damals vielen Arbeitsuchenden als das gelobte Land und tatsächlich ließ sich auch Guthrie nach einiger Zeit in Los Angeles nieder. Er übernahm dort eine eigene Radiosendung. Seine Erlebnisse und die politische Situation in den USA ließen ihn und seine Musik jedoch immer politischer werden.
Während des Zweiten Weltkriegs bezog er - nicht zuletzt mit seiner, mit dem Slogan: "This Machine Kills Fascists" beklebten Gitarre - deutlich Stellung. Seine linksgerichteten, kompromisslosen Positionen vertrugen sich aber nicht unbedingt mit einer geradlinigen Karriere als Unterhaltungskünstler, besonders in einer für die Branche äußerst schwierigen Zeit. Plattenaufnahmen blieben für ihn eine Seltenheit.
Zusammen mit Pete Seeger gründete Guthrie die Almanac Singers und machte unter der Regie von Alan Lomax auch eigene Aufnahmen für die Library of Congress. Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden wenig später auf Schallplatte veröffentlicht. Heute sind es vor allem diese Aufnahmen, durch die man seine Musik noch heute kennt.
In den 50er Jahren verschlechterte sich Guthries Gesundheit zunehmend. Er war seit langem Alkoholiker und litt zusätzlich an Chorea Huntington, einer degenerativen Erkrankung mit Bewegungsstörungen, die ihn lange Zeit ans Bett fesselte.
Nach seinem Tod organisierte sein langjähriger Weggefährte Pete Seeger mehrere erfolgreiche Gedenkkonzerte. Neben seinen früheren Weggefährten verliehen jetzt mit Joan Baez, Bob Dylan und Ramblin' Jack Elliott auch die neuen Stars des Folk öffentlich ihrer Bewunderung für den Sänger und seine Musik Ausdruck.
War Guthries Werk nach kommerziellen Gesichtspunkten wenig erfolgreich, so entwickelten sich seine Lieder mit der Zeit doch zu weit verbreiteten Klassikern. Noch 1998 erschien mit "Mermaid Avenue" das erste von zwei Alben mit zuvor unveröffentlichten Guthrie-Texten, denen der englische Sänger Billy Bragg zusammen mit Wilco neues Leben einhauchte.
Woodys Cousin Jack Guthrie hatte in kommerzieller Hinsicht wesentlich mehr Erfolg als sein berühmter Verwandter. Zusammen mit seinen Oklahomans erreichte er 1945 mit "Oklahoma Hills" die Spitze der Country-&-Western-Charts.