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Die Tonaufzeichnung von Phonograph bis MP3 (Fortsetzung).

Columbias Vinyl-LP und RCAs "Single" In der Musikindustrie blieb die Stellung der Schallplatte jedoch unangefochten. Im Gegenteil, sie steigerte ihre Popularität in den 40er Jahren durch einige grundlegende technische Veränderungen sogar noch weiter.
Die Herstellung von Platten mit Mikrorillen aus Polyvinylchlorid (PVC) setzte sich durch. Dieses neue Material garantierte eine höhere Haltbarkeit, eine bessere Tonqualität und längere Spielzeiten. Ab 1948/49 begannen deshalb die "Langspielplatte" von Columbia ("Long Play" oder "LP" mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute) und das später auch "Single" genannte Konkurrenzformat von RCA Victor (mit 45 Umdrehungen pro Minute), die nun veraltete Schellackplatte zu verdrängen.
Bis zur Einführung der Compact Disc sollte sich die Vinylschallplatte als der Standardtonträger in der Musik behaupten. Im Gegensatz zur kleineren Single, blieben die Langspielplatten dabei jedoch, bis in die 60er Jahre hinein, noch ein eher kostspieliges und nachrangiges Medium.
Ein Großteil des Publikums hatte sich an zwei Lieder pro Platte gewöhnt. Die Singles liefen in den Musikboxen und im Radio. Und sogar viele Plattenspieler blieben bei der Größe der Plattenteller noch einige Zeit auf das kleinere Format ausgerichtet. Zu den Musikstilen, die auch auf Langspielplatte Erfolg hatten, gehörten Filmsoundtracks und Jazz. So wie diese Musik, war auch die LP anfänglich vor allem etwas für Erwachsene.
Abgesehen von Elvis Presley und einigen wenigen anderen Ausnahmen, sollte es noch bis zu den Alben der Beatles dauern, dass sich das größere Format langsam gegen die Single durchsetzen und schließlich selbst zu Standardmedium werden konnte. Seitdem haben sich nach und nach immer mehr Musiker, die LP mit ihrer Spielzeit von bis zu 45 Minuten (bei der CD später sogar 80 Minuten) und die damit verbundenen künstlerischen Freiheiten angeeignet.
(Noch heute werden die Singleverkäufe, ob auf Vinyl oder CD, zwar ordentlich gezählt, doch bereits in den 70er Jahren gingen viele Plattenfirmen und Musiker dazu über, überhaupt keine Singles mehr zu veröffentlichen. Beim Publikum hatte das Album die Single bald in weiten Teilen abgelöst und sogar der Rundfunk begann immer stärker auf den "album cut" zurückzugreifen.)

Werbung für den electronic center 6001 hifi von Telefunken (1975): "Erleben Sie Verdis Aida wie in der Mailänder Sacala, 1.Rang, Mitte." Auch beim Radio ging die technische Entwicklung voran. 1950 wurden die "Ultrakurzwellen" (UKW) eingeführt. Die neue "Frequenzmodulation" (FM) war nicht mehr so störungsanfällig wie die bereits bekannte "Amplitudenmodulation" (AM). Es entstanden immer mehr Radiosender, deren Signale sich jetzt nicht mehr so leicht gegenseitig überlagerten. Das Rauschen im "Äther" ging zurück und die gesendete Musik konnte nun wesentlich originalgetreuer wiedergegeben werden.
Wirklich bahnbrechend war auch eine Erfindung, die 1954 dem Radio- und Musikhörer auch eine bis dahin unbekannte Mobilität und Selbstbestimmung brachte.
Musikhören für unterwegs hatten zwar schon lange tragbare Plattenspieler und die seit den 20er Jahren erhältlichen Autoradios geboten, doch durch die Erfindung und Weiterentwicklung des Transistors war es jetzt sogar möglich, ein tragbares Radio im Hosentaschenformat zu bauen.
Das Regency der amerikanischen Firma Texas Instruments und die Modelle anderer Hersteller wurden sofort zu einem Verkaufserfolg. Schon Jahrzehnte vor dem "Ghettoblaster" konnte jeder Besitzer eines Transistorradios nun nicht nur sein eigenes Empfangsgerät mit sich herumtragen, er konnte über den kleinen Lautsprecher auch an den verschiedensten Orten seinen persönlichen akustischen Raum definieren.
Gesellschaftlich ließ sich über Segen oder Fluch der neuen öffentlichen Geräuschkulisse trefflich streiten. Das heimische Radio und das Grammophon hatten in den meisten Fällen noch unter der Kontrolle und Aufsicht des Familienoberhaupts gestanden. Erst die kleineren und günstigen Geräte brachten den Jugendlichen die mediale Unabhängigkeit und machten sie zur eigenständigen Zielgruppe der neuen Unterhaltungselektronik und des wachsenden Rundfunkangebots.

In Deutschland war moderne Popmusik in den Medien der 50er und 60er Jahre noch eine Seltenheit. Der Anteil dieser Musik in Funk und Fernsehen stieg nur langsam, denn selbst die beliebten amerikanischen und englischen Militärsender spielten Rock 'N' Roll zuerst nur nachts. Der Tag blieb einer "gehobeneren" Unterhaltung vorbehalten. Und auch wenn diese Radiolandschaft noch nicht mit dem heutigen Angebot zu vergleichen war, erforderte der große Erfolg des Radios sehr bald auch neue Regeln.
Damit die Tonkonserven die professionellen Musiker und Orchester nicht verdrängten und diese nicht um ihren Lebensunterhalt fürchten mussten, wurde der Einsatz von Schallplatten im Radio in vielen Ländern gesetzlich reguliert. Um nicht gegen festgesetzte Quoten zu verstoßen, setzten die dortigen Rundfunkanstalten Live-Musik ein. (Auch die legendären Peel-Sessions, des Radiomoderators John Peel (1939-2004), bei der British Broadcasting Corporation (BBC) entstanden durch eine solche Regelung.)

hifi-stereo-festival (Polydor): "1 Seite Stereo Demonstration - 3 Seiten Tanz und Unterhaltung" Die Plattenspieler und das Radio verbesserten sich technisch immer weiter. Mit Beginn der 60er Jahre setzte sich in der Tonaufzeichnung das Qualitätsmerkmal Highfidelity (Hi-Fi) für eine originalgetreue, unverzerrte Wiedergabe von Musik, ebenso wie das räumliche, "stereofonische" Hören, durch.
Hinweise zur richtigen Handhabung und Pflege waren schon vorher auf den Plattenhüllen keine Seltenheit. Nun entstanden aber auch spezielle Schallplatten, die den Menschen die neuen Qualitätsstandards, besonders das Hören in stereo, beibringen sollten und die korrekte Aufstellung der Lautsprecher und das richtige Einstellen der "Stereo-Anlage" demonstrierten.

Werbung für die D-6200 HIFI von BASF (1979): Technik als Kapitalanlage Ebenfalls in den 60er Jahren begann auch eine andere neue Erfindung die Technikwelt zu erobern: das Compact Cassetten System der niederländischen Firma Philips.
Der kleine, leichter zu transportierende Kassettenrekorder ersetzte das Tonbandgerät nicht vollständig, aber besonders in den Privathaushalten fand er schnell weitere Verbreitung als die größeren und unhandlicheren Tonbänder. Hörspiel- und Musikkassetten - aber auch selbstbespielbare Leerkassetten - wurden ein großer Erfolg. Das Transistorradio hatte zwar schon das "Wie" und "Wo" liberalisiert, nicht jedoch das "Was". Zusammen mit dem Walkman (1979), einem kleinen, tragbaren Kassettenabspielgerät mit Kopfhörern, des japanischen Unterhaltungskonzerns Sony, machten die Kassetten nun sogar die eigene Musik mobil.
Neu am Walkman war auch, dass das Gerät jetzt nicht mehr die Umwelt des Nutzers mit dessen Musik beschallte, sondern diesem ermöglichte, sich in seine eigene akustische Welt zurückzuziehen. (Zu laute Musik und schlechte Kopfhörer vermittelten den Mitmenschen jedoch manchmal noch einen anderen Eindruck.)

ITT studio recorder 66 Fast genau 20 Jahre nach der Einführung der Kassette brachte Philips 1982 dann wieder ein neues Format auf den Markt, die zusammen mit Sony standardisierte Compact Disc (CD).
Die Musik wurde jetzt digitalisiert und auf kleinen, mit Aluminium beschichteten, Kunststoffscheiben gespeichert. Die Klänge wurden in einen Binärcode umgewandelt, beim Abspielen von einem Laser optisch abgetastet und über das Abspielgerät wieder ausgegeben.
Die CD brachte frischen Wind in das Geschäft mit Tonträgern, das zwischenzeitlich wieder in die Krise geraten war. Zahlreiche Besitzer von Vinylplatten ersetzten ihre Sammlungen durch CDs. Das Rauschen, Knistern und Knacksen, der - trotz Hi-Fi - nicht verschleiß- und nebengeräuschfreien Vinylplatten, schienen endgültig der Vergangenheit anzugehören und auch die Spielzeit von bis zu 80 Minuten war der herkömmlichen Schallplatte überlegen.
Das unwiderrufliche Aus für Vinyl ließ dennoch noch bis in die 90er Jahre auf sich warten. Erst dann verschwanden die Schallplatten aus den Geschäften und die meisten Presswerke wurden stillgelegt.
In einigen Nischen, etwa bei den oft noch vinylverliebten Club-DJs, kann sich die Schallplatte jedoch auch heute noch behaupten.

Ein häufig genannter Kritikpunkt an der CD blieb ihr, gegenüber den analogen Tonträgern, reduziertes Klangvolumen. Der limitierte Speicherplatz erforderte eine Komprimierung der Daten und viele Fachleute klagten deshalb über einen zu "glatten" Sound. Nachfolgeversionen, wie die Super Audio CD (SACD) und die Audioversion der Digital Versatile Disc (DVD), sollten daher vor allem das Speichervolumen und damit die Klangqualität erhöhen.

Die 90er Jahre stürzten die auf physische Tonträger fixierte Musikindustrie schließlich in eine schwere Krise. Die verbesserte Technik des Computers hatte seit den 80er Jahren seine Bedeutung auf vielen Gebieten des Alltags stark ansteigen lassen. Durch den digitalen Datenkomprimierungsstandard Moving Pictures Expert Group Audio Layer 3 (MP3) konnte nun auch Musik einfach in Computerdateien umgewandelt werden. MP3s ließen sich schnell und unkompliziert auf Festplatten und selbst gebrannten CDs speichern und über Datenverbindungen wie das Internet austauschen.
Schnell wurde die neue Technik zu einem beliebten Format und begann die klassischen Varianten des Tonträgers zu bedrängen. Heute prägen die kleinen, tragbaren MP3-Player - wie der iPod des Computerherstellers Apple mit seinen weithin sichtbaren, weißen Kopfhörern - das Bild auf unseren Straßen.

Schon seit Tonband und Kassette war Musik immer wieder, mehr oder weniger rechtmäßig, auf die verschiedensten Arten kopiert worden. Durch MP3 und die Entmaterialisierung der ehemals physischen Tonträger rückte aber besonders die Diskussion über das geistige Eigentum an kommerzieller Musik stark in den Mittelpunkt. Musik wird heute nicht mehr nur in Geschäften erworben, sondern auf nur noch schwer kontrollierbaren Wegen ausgetauscht und verbreitet. Kopierschutz und kommerzielle Downloadmöglichkeiten sind dabei die Versuche der Industrie, die "Raubkopie" zu verhindern und das endgültige Verschwinden von Musik als Ware aufzuhalten.