Rock 'N' Roll - Elvis, Teenager und der Beginn einer neuen Zeit.
Schon in der wilhelminischen Zeit hatte sich die Jugend in Deutschland als eine eigenständige Generation etabliert. Die, damals von den Heranwachsenden begeistert aufgenommene, Trivialkultur der Groschenhefte und des Kinos stieß bereits Ende des 19. Jahrhunderts bei den Erwachsenen auf Ablehnung und Empörung. Eltern, Lehrer und Politik zeigten sich wegen dieser neuen Subkultur besorgt, bekämpften erbittert Sittenverfall und fehlende Disziplin.
Seit dieser Zeit hat sich wenig an der Verzweiflung jeder Generation über die ihr nachfolgende geändert. Die Euphorie der Jugend für den Rock 'N' Roll und die neuen Leinwand-Idole James Dean (1931-1955) und Marlon Brando (1925-2004) waren da, genauso wie die Ablehnung durch die Älteren, keine Ausnahme.
Heute beschreibt man die 1950er Jahre gerne als den Beginn eines neuen Zeitalters, dabei ist das eine ziemlich starke Verallgemeinerung. Die neue Bezeichnung der Jugendlichen als "Teenager" und die Entstehung einer neuen viel beachteten Jugendkultur, machten sie zu einer Epoche, die rückblickend viel einheitlicher wirkt, als sie das damals überhaupt sein konnte.
Der Rock 'N' Roll, war eigentlich gar nicht die erste, viel gerühmte Vermischung von schwarzen und weißen Musikstilen - das hatte es abseits der breiten Öffentlichkeit immer wieder gegeben. Selbst bei dem Begriff "Rock 'N' Roll" war man sich anfänglich gar nicht so sicher. Verschiedene Interviews und Songtitel zeigen, dass man sich zuerst noch einigen musste, ob die neue Musikrichtung nicht doch lieber Be-Bop, Bop oder Hillbilly heißen solle.
Dennoch war der Rock 'N' Roll für viele Hörer etwas völlig Neues. Der für ein weißes Publikum etwas anrüchige Einfluss des Blues auf die weiße Countrymusic wirkte zugleich befremdlich und faszinierend.
Die neue Musik diente in erster Linie zum Tanzen. "For listening or dancing" versprach die Werbung - wie zum Beispiel das Cover des Albums "A Date With The Everly Brothers" (1960) - erst, als die Popmusik das Jugendzimmer und die heimische Wohnung endgültig auch im reinen Zuhören erobert hatte. Doch selbst 1963 bewarben HörZu und Electrola die deutsche Ausgabe der ersten Beatles-LP noch ganz selbstverständlich als "Die zentrale Tanzschaffe der weltberühmten Vier aus Liverpool".
Das eigentliche Medium des Rock 'N' Roll blieb aber die Vinyl-Single. Auf Langspielplatten verkauften sich in den 50er Jahren vor allem Film-Soundtracks, weshalb sich unter den damaligen Sängern auch so viele nebenberufliche Schauspieler finden lassen. Lange vor dem Musik-Fernsehen bot der Kinofilm den Musikern hier auch eine visuelle Plattform und die Verwendung der eigenen Musik in Film und Soundtrack war zugleich werbewirksam und lukrativ. Elvis Presley sollte wie kein Zweiter weite Teile seiner Karriere auf diesem System aus Film und Musik aufbauen.
Afroamerikanische Rock-'N'-Roll-Musiker bekamen weniger Filmangebote als ihre weißen Pendants. Trotz des gemeinsamen Erfolgs unterschieden sich ihre Vermarktung und ihre Zielgruppe. Schwarze Künstler wie Fats Domino begeisterten zwar, nicht zuletzt durch die Radiosendungen von Discjockeys wie Alan Freed, zunehmend auch ein gemischtes Publikum, doch viele Amerikaner bevorzugten nach wie vor die "nicht-afroamerikanische" Version des Rock 'N' Roll - noch erfolgreicher als Dominos Klassiker "Ain't It A Shame" wurde Pat Boones weiße und "saubere" Version "Ain't That A Shame" (1955).
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