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Marvin Gaye: What's Going On (Tamla, 1971)
Produzent: Marvin Gaye
What's Going On / What's Happening Brother / Flyin' high (In The Friendly Sky) / Save The Children / God Is Love / Mercy Mercy Me (The Ecology) / Right On / Wholy Holy / Inner City Blues (Make Me Wanna Holler)
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Zumindest was das Medium für seine Lieblingsmusik anging, war das afroamerikanische Publikum in den 60er Jahren sehr konservativ. Langspielplatten waren höchstens eine Zugabe, ansonsten regierte die Single. Auch das Repertoire von Berry Gordys Motown-Firmen legte den Schwerpunkt auf die sieben Zoll großen Scheiben. Auf den Alben konnte man seine Stars hingegen meistens dabei bewundern, wie sie sich an den Hits der Kollegen versuchten oder an wirklich zweitklassigem Füllstoff. Erst langsam begriffen die Verantwortlichen die Langspielplatten als eigenständiges Medium, allen voran Temptations-Produzent Norman Whitfield.
Marvin Gaye war der Topstar unter Motowns Solisten. Wie sein junger Labelkollege Stevie Wonder wollte er sich nicht länger vorschreiben lassen, was er wie aufzunehmen hätte. Er wollte mehr Kontrolle über seine Arbeit und dazu gehörte auch ein eigenständig funktionierendes Album.
Im Juni 1970 begann Gaye in Detroit mit den Aufnahmen zu What's Going On, doch schon Ende Juli legte er wieder eine Pause ein. Wirklich fertig waren nur der Titelsong und "God Is Love". Berry Gordy war von dem Ergebnis nicht begeistert. Als im Januar 1971 "What's Going On" als Single erschien, bezeichnete er es erbost als das Schlechteste, was er jemals gehört habe.
Aber Marvin Gaye setzte seinen Kopf gegen den übermächtigen Labelboss durch und der Erfolg gab ihm Recht. Die Single hielt sich fünf Wochen lang an der Spitze der R&B-Charts. Was noch fehlte war das Album. Erst als Gordy ihm eine größere Geldsumme als Erfolgsprämie bot, vollendete Gaye die Aufnahmen innerhalb eines Monats.
Inhaltlich war What's Going On Gayes Statement zu den sozialen Umbrüchen Amerikas. Musikalisch war es der Auftritt eines stimmlich viel sanfteren Marvin Gayes und der Abschied vom klassischen Motown-Sound. Danach war Gaye bedeutend mehr als nur ein reiner Interpret.
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