Johnny Cash (26.02.1932 - 12.09.2003)
Die Alben (Empfehlungen):
- Johnny Cash With His Hot & Blue Guitar (Sun, 1957)
- The Fabulous Johnny Cash (Columbia, 1959)
- Orange Blossom Special (Columbia, 1965)
- Carryin' On With Johnny Cash & June Carter (Columbia, 1967)
- Johnny Cash At Folsom Prison (Columbia, 1968)
- Johnny Cash At San Quentin (Columbia, 1969)
- American Recordings (American, 1994)
- American III: Solitary Man (American, 2000)
- Cash Unearthed (American, 2003)
- The Legend (Columbia, 2005)
Johnny Cash, geboren in Kingsland, Arkansas, stand Mitte der 1950er Jahre zusammen mit Elvis Presley, Carl Perkins und Jerry Lee Lewis bei Sun Records in Memphis unter Vertrag. Seine Musik unterschied sich nicht grundlegend von der seiner Label-Kollegen, kam nicht aus der Countrymusic-Hochburg Nashville und klang auch nicht so, aber dennoch bestand nie ein Zweifel: Johnny Cash spielte keinen Rock 'N' Roll. Er spielte Country & Western.
Für Jahrzehnte wurde er zu einem der bekanntesten Aushängeschilder dieser Musikrichtung. Cash war ein umjubelter Star, erwarb sich aber auch schnell den Ruf eines unberechenbaren Hitzkopfs. Neben der Musik sollten Alkohol, Tabletten und unkontrollierte Wutausbrüche seine Karriere, durch ihre zahlreichen Höhen und Tiefen, lange begleiten.
Nach seinem College-Abschluss arbeitete Cash kurzzeitig in einer Autofabrik in Detroit, leistete danach seinen Militärdienst bei der US-Luftwaffe (unter anderem in West-Deutschland), heiratete und begann ab 1954 professionell Musik zu machen.
Als er zu Sun Records nach Memphis kam, probierte es der junge Mann zuerst als Gospel-Sänger, denn diese Musik hatte ihn seit seiner Jugend begeistert. Produzent Sam Phillips verlangte jedoch einen kommerzielleren Stil von seinem neuen Schützling. Also machte die erste Single, mit "Cry Cry Cry" und "Hey Porter", Cash zu einem Country-Musiker. Seine Band, aus Gitarrist Luther Perkins und Bassist Marshall Grant, wurde zu den Tennessee Two.
Bei ihrem Auftritt in der legendären Grand Ole Opry erschien die Band einfach in schlichtem Schwarz und nicht in den aufwendigen, farbenfrohen Kostümen, die sich andere Musiker extra für diesen Anlass schneidern ließen. Zu der Zeit als in Nashville der gefällige Countrypolitan als Kennzeichen einer gut organisierten, ritualisierten Unterhaltungsindustrie regierte, garantierte dieses Verhalten ihm schnell die Rolle eines Sonderlings und Außenseiters. Johnny Cash wurde der Man In Black.
Auch gerade wegen dieses unverkennbaren Markenzeichens wuchs sein Erfolg rasant. Und so entschlossen sich die Verantwortlichen bei Sun Records, nach dem Abgang von Elvis, 1957 mit ihm ihre erste Langspielplatte herauszubringen.
Mit der Zeit fühlte sich Cash bei der Plattenfirma jedoch unterbezahlt und man erlaubte ihm noch immer nicht, auch religiöse Aufnahmen zu machen. Dabei hatte mittlerweile selbst Elvis Presley bei seinem äußerst kommerziell ausgerichteten Arbeitgeber RCA die EP Peace In The Valley veröffentlicht.
So sparsam Sam Phillips bei Cashs Gehalt auch sein mochte, im Gegensatz zu den großen Firmen, konnte sich das kleine Label keine finanziellen Fehlschläge erlauben.
1958 wechselte Johnny Cash zu Columbia Records nach Nashville. Seine Band wuchs jetzt mit dem Schlagzeuger W.S. Holland auf die Tennessee Three an. Schon sein erstes Album für Columbia, The Fabulous Johnny Cash (1959), wurde ein Hit.
Auch diese Plattenfirma wollte zwar Erfolge sehen, konnte ihm dafür aber wesentlich mehr Freiheiten bieten.So zählten zu Cashs Veröffentlichungen jener Zeit, neben dem lang gewünschten Gospel-Album Hymns By Johnny Cash (1960), auch andere ambitionierte Konzeptalben, wie Ride This Train (1960) oder Bitter Tears (Ballads Of The American Indian) (1964).
Gemessen an dem Aufwand für Produktion und Vertieb waren diese Langspielplatten eindeutig ein schlechtes Geschäft. Auch bei Columbia verdiente man das Geld weiterhin mit den Singles. Die LPs begründeten jedoch Cashs Image als großer Erzähler der amerikanischen Geschichte. Ein Image, das ihm in späteren Zeiten noch sehr hilfreich sein sollte. Mit ihm hatte das Label einen weiteren Countrymusic-Megastar in seinen Reihen.
Zeit seines Lebens war Johnny Cash zwar ein gläubiger Christ, aber auch gegenüber den weltlichen Dingen zeigte er sich nie wirklich abgeneigt. Anfang der 60er Jahre begann sich sein steigender Drogenkonsum auf seine Arbeit auszuwirken. Trotz der erfolgreichen Singles "Ring Of Fire" (1963) und "Understand Your Man" (1964) ging seine Karriere langsam den Bach runter.
1966 ließ sich seine Frau von ihm scheiden. Cash wendete sich daraufhin June Carter, der Tochter von Maybelle Carter und Co-Autorin von "Ring Of Fire", zu. Sie unterstützte ihn bei seinem Drogenentzug. Wie das Cover ihres gemeinsamen Albums Carryin' On (1967) bewies, war es allerhöchste Zeit!
Das Album brachte den beiden, mit "Jackson"und "Long-Legged Guitar Pickin' Man", gleich zwei gemeinsame Hits. Wenig später heirateten sie und Cashs Karriere kam wieder in Schwung
Während er auf den beiden Gefängnis-Alben der späten 60er seine wiedergewonnene Spielfreude ausleben konnte, wurden diese sogar finanziell ein beeindruckender Triumph. Er arbeitete mit Bob Dylan bei dessen Album "Nashville Skyline" (1969) zusammen. Aber auch seine eigene Fernsehshow machten Cash zu einem der bekanntesten Musiker der USA. Er spielte im Weißen Haus für Präsident Richard Nixon und bekam Filmangebote.
Neuen Künstlern wie Kris Kristofferson verhalf Cash durch seinen Einfluss zu einem größeren Publikum.
In den 70er Jahren war Cash eine feste Größe in der amerikanischen Unterhaltungsbranche. Er trat in der Krimiserie Columbo auf, produzierte mehrere Fernsehspecials (etwa über die Geschichte der Eisenbahn) und sang in der Muppet Show.
Bis in die 80er Jahre hinein blieb er dabei erfolgreich, wenn auch von Jahr zu Jahr ein bisschen weniger. Die Zusammenarbeit mit Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Willie Nelson für das Album "Highwayman" lieferte 1985 zwar wieder einen Hit, doch seine eigenen Singles waren nur noch in der Verbindung mit einem prominenten Duettpartner gefragt. Kurz darauf trennte sich Columbia von Cash. Seine große Zeit schien vorbei zu sein.
Für Mercury nahm er danach einige gelungene Alben auf. Doch bald stand er wieder ohne Plattenvertrag da. Das Blatt sollte sich erst wieder wenden, als Rick Rubin, Mitbegründer des Hip-Hop-Labels Def Jam, Entdecker der Beastie Boys und Slayers, Johnny Cash für seine Plattenfirma American Recordings unter Vertrag nahm. Das Konzept der Aufnahmen - die Reduktion auf Cashs Stimme, die akustische Gitarre und den Song - wirkte. Ein ganz neues Publikum entdeckte nun Cash und seine Musik für sich.
Schnell wurde er jetzt zum Idol und zur überlebensgroßen Projektionsfläche für viele Menschen, denen die Countrymusic und Cashs Karriere zuvor unbekannt waren. Ob als klassischer Westernheld - eine Art liberaler John Wayne - oder als rebellischer "Überpunk" in der "spießigen" und reaktionären C&W-Szene, Cashs Person wurde nun von zahllosen positiven Clichés überhäuft.
Der Mann mit dem vielschichtigen Charakter - der Aufbrausende, der aufdringlichen Photographen auch schon mal den Mittelfinger zeigte, der gläubige Christ, der begeisterte Anhänger traditioneller Countrymusic - eignete sich als idealisierte Identifikationsfigur sowohl für den konservativen Cowboy-Romantiker, als auch für den elitären Feuilleton-Fan.
Cash hatte seinen Platz im Olymp der Country- und Rockmusik endlich gefunden. Der ersten Ausgabe der "American Recordings" folgten, trotz seiner sich verschlechternden Gesundheit, noch drei weitere Alben.
Im Mai 2003 erlag June Carter Cash den Komplikationen einer Herzoperation. Wenige Monate später verstarb auch Johnny Cash. Nach seinem Tod steigerte sich die Cash-Mania weiter. 2002 erschien die CD-Box Unerarthed mit unveröffentlichten Aufnahmen aus der Zusammenarbeit mit Rick Rubin, 2005 kam der biographische Film Walk The Line in die Kinos und 2006 erschien schließlich mit A Hundred Highways noch ein fünfter Teil seiner American Recordings.