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Jazz - Unterhaltung, Swing und schöne Menschen.

Die Stile der nordamerikanischen Unterhaltungsmusik, die sich aus der Volksmusik der sozialen Unterschichten entwickelten hatten, waren vielfältig. Blues, Countrymusic und Folk erfreuten sich zwar großer Beliebtheit, auf den Bühnen der großen Städte, im Radio und in Filmen dominierte jedoch eine andere Musik.

Der Jazz war die eigentlich urbane Musik der afroamerikanischen Kultur. Aus den frühen Formen des Blues und aus europäischer Klassik entwickelten einige Musiker den Ragtime. Im Mittelpunkt stand hier das Klavier, ein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weit verbreitetes und sehr beliebtes Instrument. In den öffentlichen Kneipen und Restaurants, aber auch in den Wohnzimmern der Menschen, die es sich leisten konnten, diente damals vor allem das Piano zur musikalischen Unterhaltung.
Der frühe Jazz bediente sich wiederum bei Blues und Ragtime, nahm aber besonders in der Hafenstadt New Orleans, Louisiana auch die Einflüsse und die Blasinstrumente europäischer Marschmusik mit auf. Die dortigen Bars und Bordelle boten experimentierfreudigen Musikern eine Bühne für ihre Improvisationen und Neuerungen. Die Stadt, in der wenig später auch der Dixieland Jazz entstand, wurde zum Ausgangspunkt für eine lange und erfolgreiche Entwicklung der neuen Musik. Der legendäre, aus New Orleans stammende, Pianist Jelly Roll Morton (1885-1941) beanspruchte dabei Zeit seines Lebens für sich, den Jazz persönlich erfunden zu haben.

Auch die Vergnügungsviertel anderer Städte nahmen die neue Musik aus komplexen Rhythmen, Improvisationen und der dialogischen Form des "Call-and-Response" bereitwillig auf. Selbst das weiße Amerika entdeckte die Musik schnell für sich.
Malte sich ein Unterhaltunskünstler das Gesicht schwarz an, zog lustige Grimassen und spielte dabei "Negermusik" (z.B. Al Jolson), hatte er die Lacher des Publikums sicher. Aus dieser "Belustigung" erwuchs bei einigen aber auch schnell echtes Interesse. Weiße Jazzbands wurden gegründet und veröffentlichten erfolgreiche Platten.

Das Genre, schon seit seiner Entstehung durch seine musikalische Virtuosität hoch angesehen, entwickelte sich immer weiter. Zahlreiche neue Spielarten und Strömungen entstanden, deren Geschichte so prominente Persönlichkeiten wie Louis Armstrong (1901-1971), Billie Holiday (1915-1959), Ella Fitzgerald (1918-1996), Charlie Parker (1920-1955), Miles Davis (1926-1991) und John Coltrane (1926-1967) hervorbrachte. Unzählige Platten des BeBop, Cool Jazz, Hard Bop, Free Jazz oder Fusion wurden zu Klassikern, auch wenn, abgesehen von einigen Erfolgen wie Dave Brubecks "Take Five" (1961), die Popmusik davon - zumindest unmittelbar - unbeeinflusst blieb.
Wirklich populär, im Sinne einer modernen Popmusik, wurde der Swing, dessen Erfolg und Kommerzialisierung aber nicht überall auf Zustimmung und Zuneigung stießen. (Die Entstehung des, zunächst als unverkäuflich eingeschätzten, BeBop kann hier als eine Art Gegenbewegung dazu angesehen werden.)
Schon in den frühen Zeiten des Jazz hatte es große Big Bands mit gefälliger Tanzmusik, berühmten Instrumentalisten und Sängern gegeben. Mit dem Beginn der Swing-Ära in den 1930er Jahren wurden dann besonders die weißen Bandleader Benny Goodman ("Why Don't You Do Right", 1943), Glenn Miller ("Moonlight Serenade", 1939), Jimmy Dorsey ("So Rare", 1957) und sein Bruder Tommy Dorsey ("There Are Such Things", 1942) zu Stars.

Die Hits von Lionel Hampton Einer der berühmtesten schwarzen Bandleader war der Vibraphonist Lionel Hampton aus Louisville, Kentucky. Nachdem er einige Jahre in verschiedenen Bands (unter anderem bei Benny Goodman) gespielt hatte, wurde er in den 40er Jahren bei Decca auch unter seinem eigenen Namen zu einem gefeierten Star. Zwischenzeitlich gehöhrte dabei auch die Sängerin Dinah Washington zu seiner Band. In den 50er Jahren brach Hamptons Erfolgsserie dann ab, weil sich der Geschmack des Publikum verändert hatte. 2002 starb er im Alter von 94 Jahren.

Sein früher Tod beendete die Karriere des 1904 in Harlem, New York geborenen Fats Waller ("The Jitterbug Waltz", 1942) schon 1942. Seine Hits wurden später zur Vorlage des erfolgreichen Musicals Ain't Misbehavin'.

Die Hits von Duke Ellington (Auswahl) Der unangefochtene König unter den schwarzen Bandleadern war Edward "Duke" Ellington. Der Exklusivvertrag, den Ellington 1940 mit der Plattenfirma Victor 1940 abschloss, beförderte ihn als ersten afroamerikanischen Musiker in das Premiumsegment der Firma. Seinen Veröffentlichungen wurde damit wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als denen seiner Konkurrenten. Der Verkaufspreis seiner Platten betrug mehr als das Doppelte von dem, was die Tochterfirma Bluebird etwa für Fats Waller verlangte.
Zu seinem schärfsten Rivalen (vielleicht aber auch größten Fan) wurde William "Count" Basie ("Every Day", 1955). In dem großen Rennen zwischen Graf (engl.: Count) und Herzog (engl.: Duke) lag Ellington stets knapp in Führung. 1961 nahmen die beiden Adeligen für Columbia Records sogar ein gemeinsames Album auf.

Auch auf den Theaterbühnen und Kinoleinwänden liebte das Publikum die Musik der großen Orchester. Weltbekannte Komponisten wie Cole Porter (1893-1964) oder George Gershwin (1898-1937) kreierten die Musik für die erfolgreichen Musicals der Theater am New Yorker Broadway, genauso wie für die Musik- und Tanzfilme Hollywoods.
Gleichzeitig entwickelte sich Bing Crosby (z.B. "Ol' Man River", 1927 und "White Christmas", 1941) als Sänger, Entertainer und Schauspieler zu einem echten Superstar. Und auch die junge Doris Day ("Whatever Will Be, Will Be (Que Sera, Sera)", 1956) wurde - lange vor ihrer Filmkarriere - in den 40er Jahren als Sängerin mit dem Orchester von Les Brown berühmt.

Unter den afroamerikanischen Stars dieser klassischen Popmusik waren der Entertainer Cab Calloway ("The Honeydripper", 1946), die Sängerinnen Billie Holiday ("Lover Man (Oh, Where Can You Be?)", 1945), Ella Fitzgerald ("Into Each Life Some Rain Must Fall", 1944) und Sarah Vaughn ("Broken-Hearted Melody", 1959). Besonders dem Pianisten und Sänger Nat "King" Cole ("Mona Lisa", 1950) gelang es, sich gegen die Widrigkeiten der rassistischen amerikanischen Gesellschaft durchzusetzen und bei Schwarzen wie Weißen zum allseits beliebten Unterhaltungskünstler aufzusteigen.

Die Stars der klassischen amerikanischen Popmusik:

  • Gene Austin ("My Blue Heaven", 1927)
  • The Andrew Sisters ("Bei mir bist Du schön", 1938)
  • Les Baxter ("Unchained Melody", 1955)
  • Rosemary Clooney ("Hey There", 1954)
  • Perry Como ("Papa Loves Mambo", 1954)
  • Connie Francis ("Who's Crying Now", 1958)
  • Gogi Grant ("The Wayward Wind", 1956)
  • Frankie Laine ("Moonlight Gambler", 1956)
  • Peggy Lee ("Fever", 1958)
  • Mitch Miller ("The Yellow Rose Of Texas", 1955)
  • Guy Mitchell ("Singing The Blues", 1956)
  • Patti Page ("Allegheny Moon", 1956)
  • Debbie Reynolds ("Tammy", 1957)
  • Kay Starr ("Rock And Roll Waltz", 1956)
  • Joan Weber ("Let Me Go Lover", 1954)

Für die noch heute andauernde Begeisterung eines breiten Publikums für die Musik der Swing-Ära sind jedoch vor allem die großen Stars dieses Genres verantwortlich: Frank Sinatra und Dean Martin.
An ihrer Seite oder als Solist glänzte auch der Sänger, Tänzer und Schauspieler Sammy Davis, jr.. Zusammen mit seinen italienisch-stämmigen Freunden bildete der afroamerikanische, in Harlem, New York geborene, Entertainer ("That Old Black Magic", 1955) ein, für die damalige Zeit fast revolutionäres Gespann.

Auch wenn der Rock 'N' Roll die alte Garde der Entertainer abzulösen schien, setzten weiterhin viele neue Künstler wie Paul Anka ("Diana", 1957), Andy Williams ("Butterfly", 1957), Tony Bennett ("In The Middle Of An Island", 1957) und der vom Teen-Idol zum Swing-Entertainer gewandelte Bobby Darin ("Mack The Knife", 1959) diese Tradition erfolgreich fort.
Probten auch einige Jugendliche den Aufstand gegen die musikalischen Vorlieben ihrer Eltern, die Erwachsenen kauften weiterhin die Platten ihrer liebgewonnen "Crooner".