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You'll Never Walk Alone - Der Fußball und die Popmusik.
Der Fußball-Fan im Allgemeinen ist schon von Natur aus ein wirklich sangesfreudiger Vertreter der Spezies Mensch. Wenn Menschen heutzutage noch in der Öffentlichkeit singen, dann als Teil des Stadionkollektivs. In ihren Gesängen pflegen die Fans dabei die Tradition des Volkslieds, wenn auch zumeist unbewußt. Wer weiß schon, dass das beliebte "Wir zieh'n den Bayern die Lederhosen aus" - die Umdichtungen vom "Yellow Submarine" der Beatles - eigentlich die gleiche "bekannte-Melodie-neuer-Text"-Struktur nutzt, aus der sich schon die meisten klassischen Volkslieder entwickelten?
Die Fangesänge sind Teil einer äußerst lebendigen Alltagskultur, denn die Welt des Fußballs und seiner Anhänger ist immer in Bewegung. Aktuelle Geschehnisse, neue Helden und auch neue Feindbilder entstehen und werden in den Liedern aufgegriffen.
Neben den bekannten Klassikern "Steht auf, wenn ihr...", "Ihr könnt nach Hause geh'n" oder "Schiri, wir wissen wo dein Auto steht" kam so auch die professionelle Popmusik über die Jahre mit dem Rasensport immer wieder in Berührung.
Einige Vereine, wie der Hamburger FC St. Pauli, wollen vor den Spielen mit etwas ungewönlicheren Musikeinspielungen (AC/DCs "Hells Bells", 1980) ihre Eigenheiten betonen. Andere setzen, darunter auch St. Paulis großer Stadtrivale Hamburger Sportverein (HSV) (mit Lotto King Karls "Hamburg, meine Perle"), in ihren offiziellen und inoffiziellen Hymnen ganz auf den Lokalpatriotismus und das Zusammengehöhrikeitsgefühl ihrer Anhänger.
Normalerweise sind diese Lieder vor allem Ausdruck einer positver Indentifikation, doch die Toten Hosen lieferten mit "Bayern" (2000) eines der wenigen Beispiele dafür, dass auch die leidenschaftliche Ablehnung eines Clubs Menschen verbindet.
Der ultimative Klassiker unter den Fanhymnen bleibt jedoch "You'll Never Walk Alone" (1963) von Gerry & The Pacemakers. Aus den Popcharts nahm dieser Song seinen Weg zuerst in das Gesangrepertoire der Fans des FC Liverpool und von dort aus in die ganze Welt. Auch die großen Hits der britischen Rockgruppe Queen ("We Will Rock You" und "We Are The Champions", beide 1977) wurden längst in das Allgemeingut der meisten Fußballstadionchöre aufgenommen.
Doch nicht nur die Fußball-Fans singen gerne. Julio Iglesias (den Jüngeren eher als Enriques Vater bekannt und in seiner Jugend selbst hoffnungsvolles Torhüter-Talent des spanischen Top-Vereins Real Madrid) oder dem als Jack White bekannt gewordenen Horst Nussbaum (u.a. PSV Eindhoven), gelang es auch in der Musikwelt erfolgreich Fuß zu fassen.
Diese Beiden bilden in sofern eine Ausnahme, da der Erfolg von Franz Beckenbauer ("Gute Freunde kann niemand trennen", 1966), Gerd Müller ("Dann macht es bumm", 1969), Kevin Keegan ("Head Over Heels In Love", 1979) und der meisten anderen, vom Profi-Fußballer zum Laiensänger gewandelten, Stars oft nicht von Dauer war.
Geht es um Fußball, so sind aber auch die echten Musik-Profis immer wieder gerne bereit, ihrem Lieblingsverein - und natürlich besonders ihrer jeweiligen Nationalmannschaft - nicht nur finanziell und administrativ (von den Toten Hosen und Fortuna Düsseldorf bis zu Elton John und dem Watford FC), sondern auch musikalisch unter die Arme zu greifen.
Jack White schrieb 1974 für die deutsche Nationalmannschaft den Klassiker "Fußball ist unser Leben". Udo Jürgens sang mit ihnen 1978 "Buenos Dias, Argentina". Rod Stewart verstärkte im selben Jahr die schottische Nationalmannschaft bei "Ole Ola (Muhler Brasiliera)". New Order ("World In Motion", 1990) und die Lightning Seeds ("Three Lions On A Shirt", 1996) unterstüzten England.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass besonders das Lied der Lightning Seeds (Vielen besser bekannt als "Football's Coming Home") über das Trauma und die ewige Hoffnung der englischen Mannschaft, sich bei einem großen Turnier doch noch einmal erfolgreich gegen Deutschland durchzusetzen, mittlerweile sogar in deutschen Stadien zu einem Standard wurde.
2006 traten deshalb Embrace ein große Erbe an, als auch ihnen die Ehre zuteil wurde, die englische Mannschaft mit "World At Your Feet" offiziell zu unterstützen.
Berühmte Spieler und selbst der ganz normale Spielbetrieb sind auch jenseits der sportlichen Großereignisse keine ungewöhnlichen Themen der Popmusik. Billy Sanders ("Gib den Ball zu Uwe Seeler", 1963), Gus Backus ("22 Beine und die zwei von meiner Braut", 1964), Wencke Myhre ("Er steht im Tor", 1969), Alan & Denise ("Rummenigge", 1983), die Sportfreunde Stiller ("Ich Roque", 2004) und viele andere brachten das sportliche Massenphänomen immer wieder erfolgreich in die Hitparaden.
Dagegen sorgte Udo Lindenberg mit "Bodo Ballermann" (1976) für Kontroversen. Standen hier doch zur Abwechslung auch einmal die Schattenseiten des allseits geliebten Volkssports im Mittelpunkt.
Die Fifa WM 2006 (TM) fand in Deutschland statt. Und wie zu erwarten war, hatten sich im Rummel um das mediale Großereignis auch die Beiträge der Popmusik zu diesem Thema explosionsartig vermehrt. Ob nun Herbert Grönemeyer mit seiner offiziellen Hymne "Zeit, dass sich was dreht", die Sportfreunde Stiller mit ihrer optimistischen Prognose "'54, '74, '90, 2006", Mundstuhl ("Germans"), Oliver Pocher ("Schwarz und Weiss"), die Hermes House Band mit ihrer Version von "Football's Coming Home 2006 (Three Lions)" oder der Crazy Frog mit "We Are The Champions" - viele Musiker buhlten um die Gunst der Fußballfans. Nur wenige dieser Werke bewiesen sich aber auch nur annähernd so langlebig wie ihre Vorgänger.
Die Sportfreunde Stiller eroberten mit ihrem Lied jedoch noch während des laufenden Wettbewerbs sehr erfolgreich die Stadien, Straßenfeste und Spielplätze des ganzen Landes. Mit der blitzschnell umgetexteten Version "'54, '74, '90, 2010" sicherten sie sich zudem, auch nach der Halbfinal-Niederlage der deutschen Mannschaft, die Option auf ein erfolgreiches Revival bei der nächsten WM.
Im tatsächlichen Endspiel zwischen Frankreich und Italien wurde Frankreichs Fußball-Legende Zinedine Zidane nach einen Kopfstoß vom Platz gestellt. Italien gewann im Elfmeterschießen und Zidane wurde - in seinem allerletzten Spiel - zum traurigen Helden. Für die Musiker der französischen Gruppe La Plage wurde dieser Vorfall jedoch zum Glücksfall. Schnell bastelten sie daraus ihren Sommerhit "Coupe de boule", ergatterten einen Plattenvertag und eroberten die französischen Charts.