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England - Skiffle, Tommy Steele und Cliff Richard.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Vereingte Königreich eine Weltmacht. Man hatte über Jahrhunderte die halbe Welt kolonialisiert und die Lebensweisen der verschiedensten Kulturen entscheidend geprägt. Doch jetzt begann sich die Welt rasant zu verändern.
Nach Kriegsende hatte Großbritannien zwar der deutschen Bedrohung erfolgreich widerstanden und gehörte zusammen mit den USA, Russland und Frankreich zu den Siegermächten. Das ruhmreiche britische Empire war jedoch verschwunden. Man hatte seine Spitzenposition in der Welt endgültig an die Vereinigten Staaten verloren. Und als Deutschland sein Wirtschaftswunder erlebte, blieb eine solche Entwicklung auf der Insel aus.
Das musikalische Zentrum des Landes war zu allen Zeiten London. An der Metropole führte kein Weg vorbei, wollte man in der englischen Unterhaltungsbranche Erfolg haben. Aus den entlegendsten Winkeln des Landes - und manchmal auch aus noch viel weiter entfernten Gegenden des Commonwealth - zog es deshalb unzählige junge Musiker in die Hauptstadt.
Während des Weltkriegs hatte die Sängerin Vera Lynn mit Sincerely Yours ihre eigene Radiosendung in der BBC. Dort unterhielt sie ihr Publikum nicht nur mit ihrer Musik, sie verlas auch regelmäßig Briefe von Angehörigen für die Soldaten an der Front. Damit wurde sie bald zur beliebtesten britischen Sängerin und verdiente sich den Beinamen "Forces Sweetheart". Als der New Musical Express dann 1952 seine ersten Charts veröffentlichte, waren gleich drei ihrer Platten unter den zwölf aufgelisteten Titeln. Weil sie jedoch den Höhepunkt ihrer Karriere schon vor der Einführung der Hitliste erlebt hatte, notierte diese mit "My Son, My Son" (1954) nur einen einzigen Nummer-1-Hit für Lynn.
Anfang der 50er Jahre gewann Eddie Calvert, bekannt als "The Man With The Golden Trumpet", mit seinem Instrumentalstück "Oh, mein Papa" (1953) die Gunst des Publikums - wie natürlich auch die neuen Gesangsstars Lita Rozie ("(How Much Is) That Doggie In The Window", 1953), David Whitfield ("Answer Me", 1953), The Stargazers ("Broken Wings", 1953) und Anne Shelton ("Lay Down Your Arms", 1956).
Ansonsten stand nun auch Großbritannien - wie der Rest der westlichen Welt - stark unter dem Einfluss der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Frank Sinatra ("Three Coins In The Fountain", 1954), Rosemary Clooney ("This Ole House", 1954) und Tony Bennett ("Stranger In Pardise", 1955) waren auch auf der Insel klangvolle Namen. Bald sollte auch Elvis Presley die Herzen der britischen Teenager im Sturm erobern.
Zumindest sein eigenes Management sah damals in dem Sänger Tommy Steele ("Singing The Blues", 1957) die britische Antwort auf Presley. Doch mit seinen eigenen Versionen amerikanischer Hits konnte Steele gegen die Übermacht der neuen Rockstars wenig ausrichten. In den 60er Jahren wechselte er zum Musical.
Auch Johnny Kidd & The Pirates ("Shakin' All Over", 1960) fehlte es etwas an der nötigen Konstanz. Sein rauer R&B legte den Grundstein für den späteren britischen Beat Boom. Seiner Plattenfirma HMV war Johnny Kidds Musik jedoch bis zu seinem frühen Tod 1966 keine einzige Albumveröffentlichung wert.
Cliff Richard und seine Begleitband The Shadows waren hingegen absolute Publikumlieblinge. Weil er gleichermaßen die Töchter, Mütter und Großmütter begeisterte, stieg der ehemalige Hilfsbuchhalter in Windeseile zum Superstar auf.
Und schließlich exportierte der junge Schotte Lonnie Donegan mit seinem Skiffel sogar seine original-britische Variante des Rock 'N 'Roll zurück in die USA.