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Der Blues - Vom Land in die Städte (Teil 3).

Zu den großen Blues-Stars der 50er Jahre gehörte auch der Sänger und Slide-Gitarrist Elmore James aus Richland, Mississippi. 1952 drückte er Robert Johnsons "Dust My Broom" seinen Stempel auf und machte es zum Hit. Mit "The Sky Is Crying" meldete er sich 1960 noch einmal erfolgreich zurück, bevor er 1963 - im Alter von nur 45 Jahren - an einem Herzinfarkt verstarb.
Mit "Hound Dog" hatte Willie Mae "Big Mama" Thornton 1953 ihren ersten und einzigen großen Hit. Die Sängerin aus Montgomery, Alabama erklomm damit die Spitze der R&B-Charts, drei Jahre bevor Elvis Presley mit seiner Version dann auch die Herzen des weißen Publikums eroberte.
Edward "Guitar Slim" Jones triumphierte wiederum 1954 mit der Single "The Things That I Used To Do".

Mitte der 50er Jahre war eine neue Generation von Bluesmusikern nachgewachsen. Trotz des Rock 'N' Roll und der moderneren Formen des Rhythm & Blues verschwand der Blues dadurch nicht endgültig aus den Hitlisten.
J.B. Lenoir (oder Lenore) wurde 1955 durch seine Single "Mama Talk To Your Daughter" bekannt. Auch er hatte sich von seiner Heimat Mississippi aus auf den Weg nach Chicago gemacht. Dort erlangte er den Status eines Geheimtips und wurde in den späten 60er Jahren - besonders durch seinen frühen Tod mit 38 - zur Legende.
Der Texaner Johnny "Guitar" Watson verzeichnete mit "Those Lonely, Lonely Nights" (1955) seinen ersten Erfolg. Unbeeindruckt vom Auf und Ab der eigenen Karriere gelang es ihm, sich auch in den folgenden Jahrzehnten (1962 mit "Cuttin' In" und 1977 mit "A Real Mother For Ya") immer wieder in Erinnerung zu rufen. Sollten doch andere Musiker ruhig an ihrem bewährten Stil festhalten und sich dann über das schwindende Publikumsinteresse beschweren. Im Wettlauf mit dem Trend war Watson der Igel. 1996 verstarb er während eines Auftritts im japanischen Yokohama an einem Herzinfarkt.
Willie Dixons Komposition "I Can't Quit You Baby" wurde 1956 durch Otis Rush zu einem Klassiker. Es blieb der einzige Hit des Gitarristen aus Philadelphia, Mississippi auch wenn er weiterhin zu den bekanntesten Gesichtern des Chicago Blues zählte.
Die Hits von Jimmy Reed (Auswahl) Der erfolgreichste Bluesmusiker jener Zeit war jedoch unbestritten Jimmy Reed. Auch er stammte aus Mississippi und zog nach Chicago, um dort sein Glück zu versuchen. Nachdem er seinen Miltärdienst abgeleistet hatte, hielt er sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Dann bekam er die Chance bei Chess vorzuspielen. Doch dort wollte man ihn einfach nicht haben. Also vermittelte Albert King (später selbst eine Blueslegende) ihn an das andere große Chicagoer Label Vee-Jay Records. Zum großen Ärger derjenigen bei Chess, die ihn abgelehnt hatten, lieferte er nun für Vee-Jay gleich eine ganze Reihe von Chart-Hits ab.
Seine Songs waren einfach strukturiert, eingänglich und auch der blutigste Anfänger konnte sie schnell nachspielen. Nicht nur in den Jukeboxen der Kneipen liefen seine Platten deshalb auf Hochtouren. Auch zahllose Teenager versuchten sich in Jugendzimmern und Garagen bald als Reed-Imitatoren.
Erfolg und Einfluss änderten aber nichts daran, dass Reed für ein Leben als Blues-Star denkbar ungünstig vorbereitet war. Weil er nie Lesen und Schreiben gelernt hatte, war er auf die Hilfe anderer angewiesen. Zudem war er ein Alkoholiker. Immer öfter konnte er sich selbst an seine eigenen Texte nicht mehr erinnern - seine Frau Mary musste vorsagen. Als Vee-Jays Stern in den 60er Jahren zu sinken begann, ging auch Reeds Karriere mit unter.
Bei vielen von Reeds Aufnahmen spielte Eddie Taylor ("Big Town Playboy", 1955) die Rhythmusgitarre. Mit seinen eigenen Platten konnte er zwar nicht denselben Erfolg verbuchen, gehörte aber wie Samuel "Magic Sam" Maghett ("All Your Love", 1957), Junior Wells ("Little By Little", 1960) und Earl Hooker in der Bluesszene Chicagos zu den neuen Stars.

Brownie McGhee: Brownie's Blues (Bluesville Records, 1962) Das Geschäft mit Blues und R&B war hart. Das afroamerikanische Publikum konnte neue Künstler schnell an die Chart-Spitze katapultieren. Es konnte einen Star aber auch ganz schnell von seinem Sockel stürzen, wenn ihnen eine Platte nicht gefiel. Die aktuelle Single war das Maß aller Dinge und der Ruhm konnte schnell vergehen.
Jesse Fuller: San Francisco Bay Blues (Contemporary Records, 1963) Glücklicherweise konnten einige Bluesmusiker sich jedoch zunehmend auch auf das weiße Publikum verlassen.
Mit dem neuerlichen Folk-Boom und dem Erfolg des Newport Folk Festival war auch das Interesse dieser Hörer derart gewachsen, dass sich nun sogar für Langspielplatten Käufer fanden. So manches College oder Künstlercafe schmückte sich gerne mit dem Auftritt eines nahmhaften Bluesmusikers. Und bald wurde auch Europa zu einem lohnenden Reiseziel.

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