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Der Blues - Der Zweite Weltkrieg und die Zeit danach.

Der Zweite Weltkrieg beeinflusste natürlich auch in den USA, nach deren Kriegseintritt 1941, die meisten Aspekte des Alltags.
Zwar brach das öffentliche Leben nicht zusammen, doch galt das Hauptaugenmerk der Menschen nicht der Unterhaltung. Viele gingen zur Armee. Die Rohstoffe für Schallplatten wurden knapp und teuer und zahlreiche Plattenfirmen verlagerten sich auf ein kleineres Angebot mit geringerem Risiko.
Zu einem Teil läßt sich das Abebben der Musikproduktionen jener Zeit auch durch den Streik der American Federation of Musicians (AFM) erklären. 1942 rief die Gewerkschaft ihre Mitglieder zum Streik auf, weil sich die Musiker von dem gestiegenen Einsatz von Schallplatten in Radio und Juke Boxen bedroht sahen. Wenn schon der Anteil an Livemusik zurückging, so wollte man wenigstens an den Gewinnen durch die Plattenverkäufe beteiligt werden. Tantiemen waren in der damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Mit dem Ende des Krieges normalisierten sich die Lebensumstände wieder. Noch einmal hatten viele Afroamerikaner die südlichen Staaten in Richtung der Industriestädte oder der Küste verlassen, diesmal weil die Kriegsindustrie Arbeiter suchte. Wie sein Publikum, wurde dadurch auch der Blues immer urbaner. Die Musik veränderte sich. Und in der Folge des technischen Fortschritts setzten sich die neuen elektrischen Gitarren mehr und mehr durch.
In der Nachkriegszeit verschmolzen Louis Jordan ("Choo Choo Ch'Boogie", 1946) und Big Joe Turner ("S.K. Blues", 1945) Blues und Jazz zu einer neuen tanzbaren Form des Rhythm & Blues. Ihr Schwerpunkt lag dabei eindeutig auf dem Rhythmus, nicht auf dem Blues.
Ligthnin' Hopkins: Lightnin' (Prestige, 1961) Gleichzeitig rückten immer neue Bluesmusiker nach. Arthur "Big Boy" Crudup ("Rock Me Mama", 1945), Brownie McGhee ("My Fault", 1948), Jimmy Witherspoon ("Ain't Nobody's Business", 1949) oder die Texaner T-Bone Walker ("Stormy Monday", 1948) und Lightnin' Hopkins ("Shotgun Blues", 1950) wurden zu Publikumslieblingen. Einige von ihnen sollten sich ihren Platz in der Musikgeschichte und ihren heute legendären Ruf allerdings gar nicht mit ihren Hits verdienen. Das brachte erst das spätere Revival mit sich.
Auch John Lee Hooker und B.B. King waren damals, schon lange bevor weiße College-Kids und englische Nachwuchsmusiker sie entdecken sollten, wahre Giganten des Blues. Noch war King zwar vor allem in Memphis, in den Clubs der Beale Street, eine Sensation - während Hooker die Blues-Welt für einige Jahre souverän von Detroit aus regierte. Beide sollten sich aber als echte Dauerbrenner erweisen.

Chicago Blues und Chess Records

Ende der 40er Jahre war die Bevölkerung von Chicago, Illinois auf 3,6 Millionen angewachsen. Die boomende Stadt am Ufer des Michigansees hatte sich dadurch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch musikalisch, zu einer der wichtigsten Metropolen des Landes entwickelt. Big Bill Broonzy und John Lee "Sonny Boy" Williamson [I] ("Shake The Boogie", 1947) waren die Stars einer Szene, die mit der Gründung einer kleinen Plattenfirma endgültig zum Aushängeschild des modernen Blues werden sollte.

Willie Dixon: I Am The Blues (Columbia, 1969) Die Brüder Leonard und Philip Chess, polnische Immigranten, waren schon als Nachtclubbesitzer erfolgreich gewesen. Aber mit ihren Labels Aristocat (1947), Chess (1950) und Checker (1952) schrieben sie Geschichte. Der von ihnen vermarktete Chicago Blues war rau, aggressiv und mit elektrischer Gitarre, Mundharmonika und nur einer kleinen Rhythmusgruppe äußerst sparsam instrumentiert. Hier nahmen Little Walter, Muddy Waters, Howlin' Wolf, Bo Diddley und Chuck Berry ihre Platten auf. Jeder für sich ein Star, gemeinsam eine Legende.
Ein anderer wichtiger Bestandteil des Erfolgs war das Multitalent Willie Dixon (1915-1992). Als Produzent, Komponist, Bassist und Talentsucher war Dixon unentbehrlich. Bis auf eine einzige eigene Hit-Single ("Walking The Blues" 1955) hielt er sich dabei meist im Hintergrund. Es waren jedoch seine Kompositionen, die Chess für nachfolgende Generationen zum vielleicht prägendsten Label machten.
Mit dem Aufkommen des Rock 'N' Roll sollten neue Künstler bei Chess Records zu Stars werden. Und als Reaktion auf den sich verändernden Musikgeschmack nahm das Label vermehrt neue Stile des Rhythm & Blues und Soul erfolgreich ins Repertoire auf.

Die Hits von Chess und Checker (Auswahl):

  • Gene Ammons: "My Foolish Heart" (1950)
  • Jackie Brenston: "Rocket '88'" (1951)
  • Joe Williams: "Every Day I Have The Blues" (1952)
  • Willie Mabon: "I Don't Know" (1952)
  • Eddie Boyd: "24 Hours" (1953)
  • Willie Mabon: "I'm Mad" (1953)
  • Eddie Boyd: "Third Degree" (1953)
  • The Coronets: "Nadine" (1953)
  • Lowell Fulson: "Reconsider Baby" (1954)
  • Willie Mabon: "Poison Ivy" (1954)
  • The Moonglows: "Sincerely" (1954)
  • Willie Dixon: "Walking The Blues", (1955)
  • Sonny Boy Williamson [II]: "Don't Start Me Talkin'" (1955)
  • Bobby Charles: "Later Alligator" (1956)
  • Johnnie & Joe: "I'll Be Spinning" (1957)
  • Jimmy Rogers: "Walking By Myself" (1957)
  • Lee Andrews: "Tear Drops (1958)
  • Buddy Guy: "Stone Crazy" (1962)
  • Mitty Collier: "I Had A Talk With My Man" (1964)
  • Little Milton: "We're Gonna Make It" (1965)
  • Tony Clarke: "The Entertainer" (1965)
  • Koko Taylor: "Wang Dang Doodle" (1966)
  • Bobby Moore: "Searching For My Love" (1966)
  • Laura Lee: "Dirty Man" (1967)
Jackie Brenstons Hit-Single, Rocket 88" (1951), gilt als eines der ersten Rock-'N'-Roll-Stücke. Die treibende Kraft hinter diesem Klassiker war zwar Ike Turner, doch offiziell wurde der Saxophonist von Turners Kings Of Rhythm als Interpret geführt.
Der unvergleichliche, von zahllosen Anhängern verehrte Sänger und Mundharmonikerspieler Sonny Boy Williamson [II] ("Don't Start Me Talkin'", 1955) hieß eigentlich Aleck "Rice" Miller. Er hatte sich den Künstlernamen von dem bereits 1948 verstorbenen John Lee Williamson (Sonny Boy Williamson [I]) "entliehen". Vielen Fans ist sein Name besonders deshalb geläufig, weil er während seiner Englandtour 1964 von einer britischen Band namens The Yardbirds begleitet wurde. Der Gitarrist dabei war ein gewisser Eric Clapton.

Natürlich zogen auch andere Musiker großes Interesse auf sich. Und selbst in Chicago war Chess nicht konkurrenzlos. Viele kleinere Plattenfirmen profitierten ebenfalls von den zahlreichen Talenten, die sich von der Stadt den großen Durchbruch versprachen. Langfristige Verträge waren ohnehin eher die Ausnahme.
Die Hits von Memphis Slim Der Pianist und Sänger Peter "Memphis Slim" Chatman arbeitete zum Beispiel nicht nur erfolglos für Chess, sondern auch - äußerst erfolgreich - für Miracle, Premium und United Records.
Sein Künstlername verwies unmissverständlich auf seine Heimat in Tennessee, aber auch seine Karriere erblühte jedoch erst so richtig in Chicago. Ende der 50er Jahre nahm mit der Unterstützung von Matt "Guitar" Murphy (bekannt durch den Film Blues Brothers) für Vee-Jay auch das hochgelobte Album Memphis Slim At The Gates Of The Horn (1959) auf.
In den 60ern ließ er dann die USA hinter sich und siedelte nach Frankreich über. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1988.

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